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Die historischen Tohopesaten

Städtebünde

Schon seit dem 13. Jh. schlossen Städte reichsweit untereinander zeitlich limitierte Bündnisverträge (2-8 Jahre) ab, die dann oft verlängert wurden. Es handelte sich dabei meist um zwei- oder mehrseitige Allianzen im nachbarschaftlichen und regionalen, später zunehmend auch im überregional-territorialen Rahmen. Diese Bündnisse dienten in erster Linie wirtschaftlichen, politischen oder friedensrechtlichen Interessen und wurden urkundlich fixiert. Meist waren es Schutz- u. Hilfebündnisse oder zur Gewährleistung des oft - auch von Städten - gebrochenen Landfriedens.

Der sächsische Städtebund

Unter den „sächsischen“ Städten verstand man im 14. und 15. Jh. die niedersächsischen und heutigen sächsisch-anhaltinischen und thüringischen Städte, die sich um den Harz herum gruppieren. Das Städtebündnis von 1426 beispielsweise, an dem 14 Städte beteiligt waren, nennt Goslar, Braunschweig, Hildesheim, Hannover, Göttingen, Osterode, Einbeck, Helmstedt, Northeim, Magdeburg, Halle, Halberstadt, Quedlinburg u. Aschersleben. Betitelt war dieser auf drei Jahre befristete Zusammenschluss mit „Vorbunt der sassesschen stede“.  Von 1432 an erweiterte sich der Kreis im Westen um Hameln, Gronau und Alfeld, im Süd-Osten um Nordhausen, Mühlhausen, Erfurt, Merseburg, Naumburg und Stendal, im Norden um Uelzen und Lüneburg.
   Seinen Ursprung hat der sächsische Bund in den regionalen und territorialen Allianzen des 14. Jh. Das Bündnis vom 24. Aug. 1382 war das erste, das weitgehend alle Städte umfasste, die auch im 15. Jh. vertreten waren.  Der von 1384 erweiterte und intensivierte den Bund.  Festigend wirkte auch die Münzkonvention der sächsischen Städte von 1382.
   Trotz des Namens „sasseschen stede“, der einen Bezug zum Land der „Sassen“ - dem alten Stammesherzogtum Sachsen, das dem heutigen Niedersachsen entspricht - impliziert, blieb der sächsische Städtebund auf das Gebiet des damaligen Gaus Ostfalen begrenzt. Die Städte der Gaue Engern und Westfalen - von der Weser bis zum Rhein - blieben außen vor und gründeten ihrerseits Städtebünde. In diesem Zusammenhang kam es Mitte des 13. Jh. erstmalig zur Kooperation westfälischer Städte - in Gestalt des Rheinischen Bundes - mit sächsischen Städten. Ein weitgehender und über aktuelle Ereignisse dauerhafterer Schulterschluss erfolgte seit Mitte des 15. Jh. im Rahmen der Zugehörigkeit zum Hansebund.


StAHan, Urk. I, Nr. 1063, p. 1. Kopie, Siegelspur, Altsig.: 127/45, Druck: unbekannt

Abb. oben: Tohopesatebrief von 1482 - Bündnis der Hansestädte Lübeck, Bremen, Hamburg, Rostock, Stralsund, Wismar, Riga, Dorpat, Reval, Lüneburg, Greifswald, Stade, Buxtehude, Uelzen, Magdeburg, Braunschweig, Halle, Halberstadt, Goslar, Göttingen, Northeim, Einbeck, Hildesheim, Hannover, Stendal, Salzwedel, Münster, Dortmund, Soest, Paderborn, Herford, Minden, Osnabrück, Deventer, Zwolle, Campen, Groningen auf weitere 6 Jahre (StA Hannover, Urk. I, Nr. 1063, p. 1. Kopie, Siegelspur, Altsig.: 127/45, Druck: unbekannt)

Die wendischen, sächsischen und westdeutschen Städte in der Hanse

Die norddeutschen Städte waren alle überwiegend Mitglieder in der Hanse. Nach Auffassung der Zeit war die Hanse nicht mehr und nicht weniger ein unter Führung Lübecks stehender, lockerer Verband nord-, nordwest- und nordostdeutscher Städte zur Nutzung von Handelsprivilegien. Die Hanse konnte - vor allem wirtschaftlich - großes politisches Gewicht und Druck ausüben, war aber kein politischer Körper sondern ein reine Wirtschaftsmacht. Es handelte sich um ein relativ locker geknüpftes Netz, das sich aber bei ernsteren Belastungen sofort zusammenziehen konnte.  Die regionalen Städtebünde sind nicht als Organe der Hanse zu verstehen, sondern agierten weiterhin autonom und territorial - und manchmal auch gegen die Hanseinteressen.
    Dominiert wurde die Hanse von den so genannten wendischen Städten, die ihrerseits im wendischen Städtebund in Separatbündnissen organisiert waren. Dazu gehörten Lübeck, Kiel, Wismar, Rostock, Stralsund, Greifswald, Anklam, Stettin, Neustargard, Kolberg, Berlin-Kölln und Frankfurt/Oder, die als „Lübeker Drittel“ bezeichnet wurden. Hamburg, Bremen, Stade, Lüneburg, Uelzen und Buxtehude stellten das „Hamburger Drittel“. 1451 wurden beide Drittel zum „Lübecker Viertel“ vereint.
    Seit Mitte des 14. Jh. rückten die norddeutschen Städte unter dem Dach der Hanse enger zusammen. In der „Kölner Konföderation“ 1367 waren zwölf Städte von Holland bis ins Baltikum im Krieg gegen Dänemark und Norwegen vereint. Die sächsischen Städte hielten sich geschlossen fern, was sich langsam nach der Gründung des sächsischen Städtebundes 1382 änderte. Auf dem Hansetag am 4.10.1383 waren weitere sächsische Städte vertreten. Seit 1390 übernahm Braunschweig die Vermittlerrolle zwischen wendischen und sächsischen Städten. Ebenfalls regelmäßig waren auch westdeutsche Städte wie Köln und Dortmund nun regelmäßig auf den Hansetagen vertreten.
    Auf dem Hansetag (Tagfahrt) von 1451 erschienen die sächsischen als „Magdeburg-Braunschweiger Viertel“ und die westfälischen und niederrheinischen Städte als sog. „Kölner Viertel“. Zu Letzterem gehörten Köln, Minden, Lemgo, Paderborn, Herford, Osnabrück, Soest, Münster, Dortmund, Wesel, Emerich, Zutphen, Deventer, Groningen, Zwolle, Kampen, Arnheim, Nimwegen, Harderwijk, Tiel, Zaltbomel und Roemunde.

Die „Tohopesaten“ der wendischen, sächsischen und westdeutschen Städte

Dominierten im 13. und 14. Jh. die regionalen und territorialen Allianzen, so kam es seit dem letzten Viertel des 14. und seit Beginn des 15. Jh. zu überregionalen und -territorialen Zusammenschlüssen der Städtebündnisse.
    Die „Tohopesaten“ des 15. Jh. schließlich waren der Zusammenschluss der wendischen Bünde unter Führung Lübecks mit den niedersächsischen unter Führung Braunschweigs. Der erste Tohopesateentwurf stammt von 1418 und wurde nie realisiert.  1430 kam es im Rahmen der Hanse zu einem ersten Bündnis wendischer und sächsischer Städte. Hintergrund der Annäherung war einerseits die Zuspitzung der Hussitengefahr, die die sächsischen Städte bedrohte, andererseits die Konflikte der Seestädte mit Dänemark. 1435 suchte die Hanse die Unterstützung der sächsischen Städte im Konflikt mit England und Flandern.
    Im Verlaufe des 15. Jh. verzahnte sich die regionalbündische Struktur zunehmend mit dem hansischen Tohopesaten-System. 1450 erfolgte ein Bündnis der sächsischen Städte mit den Hansestädten Norddeutschlands („Lübecker Drittel“) u. denen Westdeutschlands („Kölner Drittel“) auf 6 Jahre.  Es handelt sich um das Erste, den gesamten Norden, die Mitte und den Westen Deutschlands umfassende Bündnis.
    Höhepunkt waren die Tohopesaten seit 1476. Zunehmend waren auch die westlichen Hansestädte - das „Kölner Viertel“ - dauerhaft in die Allianz einbezogen, so dass man von einem gesamtnorddeutschen Bündnisnetzwerk sprechen kann, das von der Maas bis weit hinter die Oder reichte. Die diesbezüglich weitreichendste Tohopesate war die von 1482....weiter








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