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Ikonographische Quellen

Bildwerke als Quelle

Die dritte Quellengattung zur Erforschung des mittelalterlichen Alltagslebens sind „Bildquellen“. Aus dem Mittelalter, vor allem dem Späten sind unzählige Bildwerke erhalten. Bildquellenkategorien sind:

  • Illustrationen in Handschriften und Inkunabeln (Frühdrucke)
  • Retabeln (Tafel- oder Altarbilder)
  • Wandgemälde/-fresken
  • Gemälde   
  • Bauplastiken und Skulpturen
  • Glasmalerei
  • Epitaphien (Grabplatten)
Hausbuchmeister, Planet Merkur und seine Kinder, 1460-80, pag. 16a
Retabel, Heilig-Geist-Hospital Luebeck, 1420-30
Niedersaechsischer Meister, Kalvarienberg, Wandmalerei, Soest, 1430-40
Lesender Mann, Werkstatt Rogier van der Weyden, ca. 1450, The National Gallery
Jacques de Gerines, 1. Hälfte 15. Jh, Amsterdamm, Rijksmuseum Patrizierturnier aus Frankfurt a. Main, Privatbesitz, Mittelrhein, um 1475, Foto Rafael Touissaint
Epitaph Brun von Warendorp, um 1370, Lübeck
Bsp. Handschriften-illustration, nord-
dt.-nl.
Kleidung  - Hausbuchmeister, Niederrhein, 1460- 1480, pag. 16a
Bsp. Retabel, nordt. Klei-
dung - Heilig-
Geist Hospital Lübeck,1420-
1430
Bsp. Fresco, nord-
dt. Kleidung - Nie-
dersächsischer Meister, Kalvarien-
berg, Wandmalerei, Soest, 1430-40
Bsp. Gemälde, Portrait - Lesender Mann, Werkstatt Rogier van der Weyden, ca. 1450, The National Gallery Bsp. Plastik, burgundischer Männerrock - J. de Gerines, 1. H. 15. Jh., Amsterdamm, Rijksmuseum
Bsp. Glasmalerei, Patrizierturnier - Mittelrhein, Frank-
furt a. Main,
um 1475, Privatbesitz, Foto R. Touissaint
Bsp. Epitaph, norddt. Herren-bekleidung - Grabstein Brun von Warendorp, um 1370, Marienkirche Lübeck

Ikonographie - Inhalt und Symbolik

Das größte Problem ist die Frage der Interpretation des Dargestellten. Dieser widmet sich die kunstwissenschaftliche Disziplin der „Ikonographie“. Sie dient der Erforschung und Interpretation von Inhalt und Symbolik der Bildgegenstände. Dabei müssen zeitgenössische literarischen Quellen (Theologie, Philosophie, Dichtung) und Stilrichtungen berücksichtigt werden. Diese Faktoren haben erheblichen Einfluss auf die jeweiligen Motive und ihre Darstellungsweise. Es wäre also völlig falsch zu glauben, dass die mittelalterliche Kunst ein genaues Abbild des damaligen Lebens darstellt. Da die damalige Gesellschaft aber sich selbst, ihre Ziele und Ideale darin wiedererkannte, wurde diese Kunst als überlieferungswürdig betrachtet.1

Bildquellen und Kleiderforschung – Eine Gradwanderung

Forschungstand der Kostümliteratur
Für die Erforschung des Alltaglebens im Spätmittelalter und seiner materiellen Kultur ist das Kleidungswesens von zentraler Bedeutung.2 Größte Probleme ergeben sich durch die veraltete Grundsatzliteratur, die überwiegend aus dem vorletzten Jahrhundert stammt und deren Inhalte mehrheitlich unkritisch in neuere Publikationen übernommen und somit weitergegeben werden. Nur vereinzelt werden Fehlinterpretationen korrigiert. Grundtendenz fast aller Kostümhistorischen Publikationen der letzten 30 Jahre ist, dass oberflächlich Bildquellen zur Entwicklung eines „Modebildes“ herangezogen werden und diese Kleidungsformen kritiklos mit den Kleidungstermini der erwähnten älteren Kostümsliteratur zur Deckung gebracht werden.
3


Fehlinterpretationen von Bildquellen

Ich wünschte, es gäbe da eine Figur (im Bild), die uns über das Geschehen des Bildes belehrt und unterrichtet.
                                                                                                                                                                    Leon Batista Alberti 1434/354

Insgesamt verfährt die kostümkundliche Literatur mit den Bildquellen ausgesprochen unreflektiert, die fachübliche Quellenkritik versagt hier völlig.5  Der häufigste Grund für Fehlinterpretationen von Bildquellen ist die „unterschiedliche Seh- und Leseweise“ eines Bildes. Oft nicht mitberücksichtigt wird z.B. der stilistische Habitus mittelalterlicher Kunstwerke.6  Im konkreten Fall der Darstellung und Interpretation von Bekleidung wird vernachlässigt:
1. die vom Künstler als künstlerisches Element angestrebte Variationsvielfalt,
2. die Funktion des Kunstwerkes, die untrennbar mit bestimmten Darstellungsweisen verbunden ist. Einige Beispiele:
  • Kleidung wird oft als Stereotyp oder Gemeinplatz verwendet, z.B. zur Verbildlichung negativer Charakterzüge oder von Negativpersonen.
  • Stifterbilder, Grabmähler und Portraits zeigen die dargestellten Personen grundsätzlich immer in würdevoller Kirchgangs-, nie in Alltagskleidung.
  • Es gab eine bewusste Tendenz zur konservativ-repräsentativer Haltung, die in der Darstellung der Bekleidung ihren Niederschlag findet (z.B. die Darstellung weltlicher Personen in Zeremonialgewändern oder Kleidungsstücken, die ihren vornehmsten Eigenschaften – z.B. Bildung = Garnache - entsprechen).7
  • Heilige und biblische Personen werden grundsätzlich in der ihnen traditionell zugedachten, nicht in zeitgenössischer Kleidung gezeigt.

3. Als drittes wird vernachlässigt die den Bildwerken innewohnende Symbolik und der ihnen zugrunde liegende ikonographische Kanon (s.u.).
4. Unberücksichtigt bleiben auch Herkunft-, Ausbildungs- und Wirkungsorte und kunsthistorische Schule des Künstlers sowie Herkunft und sozialer Stand und Stellung des Auftraggebers oder Stifters. Es darf bei der Interpretation von Altarbildern z.B. nicht vergessen werden, dass der Auftragsgeber das Werk nach eigenen Vorstellungen bestellte. Er und der Künstler handelten im Rahmen von Konventionen, deren wichtigste die Religion, die zeitgenössische Wahrnehmung und die Gesellschaft an sich sind.8


Dedikationsillustration Guarino da Verona, Strabo, Geographika, 1458
Diese Illustration aus einer italienischen Übersetzung der Geographika Strabos könnte dazu verleiten anzunehmen, es handele sich um italienische Mode aus der Mitte des 15. Jh. Tatsächlich sind die dargestellten Personen französische Adlige und dementsprechend im nordfrz.-burgundischen Stil gekleidet. Dedikations-illustration, Guarino da Verona, Strabo, Geographika, 1458-59, Albi, Bibliothèque Municipale, MS 77, fol. 4r.

Ähnliches gilt auch für Handschriftenillustrationen. Ziehen wir Schriftquellen hinzu, erfahren wir, dass die Künstler von den Autoren genaue Anweisungen erhielten wie z.B. Kleidung dargestellt werden sollte. Dabei spielten religiöse und soziale Maßgaben und Kleidungskonventionen für biblische Personen eine Rolle, nicht aber die aktuellen „Modetrends“.9

Symbolik, ikonographischer Kanon und Realität

Ein Bild ist symbolisch, wenn es mehr enthält, als man auf dem ersten Blick erkennen kann.“
                                                                                                              C.G. Jung, Der Mensch und seine Symbole, 1968

Mittelalterliche Bildwerke unterliegen Konventionen, die man kennen und verstehen muss um sie „lesen“ zu können.10  In der modernen kunst- und kostümhistorischen Betrachtung findet sich hinsichtlich der Symbolik, die den Akteuren der veranschaulichten Handlung innewohnt vielfach ein Umgang mit Bildwerken, der die dargestellte Bekleidung nicht im Sinne eines inhaltlichen Sinnträgers, sondern als Abbild der historischen Moderealität sieht.

Die Hauptquelle mittelalterlicher Bildthemen ist die Bibel, aber es gibt auch eine antike Bildtradition in den Bildwerken. Schon früh gab es Literatur, die sich mit der Symbolik und Deutung beschäftigte.11  Figuren und Farben, bestimmte Kleidung und Sachgegenstände - alles, was mit der Darstellung religiöser Themen zu tun hat - beruhten auf festen Regeln, dem ikonographischen KanonKonventionen, die Allgemeingut waren und an die sich alle Maler hielten. Alles wiederholte sich nach den gleichen Mustern und Vorgaben; Formen und Farben wurden nach ihrer symbolischen Bedeutung gruppiert und für Letztere gab es einen sogar einen theologischen Kodex.12  Die Intensität einer Farbe sagt z.B. nichts über Modefarben, aber viel über die Grade der Anbetung der dargestellten Personen aus.13  Daneben wurden Bekleidungsfarben in der Malerei auch nach ihrem „harmonischen Zusammenwirken“ gewählt.14

Die dargestellten Kleidungsstücke unterlagen dem Kanon oder es handelte sich um „Rollenbekleidung“, deren Träger eine Botschaft vermitteln sollten.15  Einige Beispiele:

  • Grundsätzlich schrieb der Kanon die Bekleidungsfarben blau für Bekenner und rot für Märtyrer vor. Auch Gerichtspersonen trugen rote Kleidung (s. Abb. re. oben, Fehmegericht, Soester Nequambuch, StASoest, 2. Drittel 15. Jh.).
  • Die seit dem 14. Jh. beliebte Darstellung Marias mit einem Ährenbesetzten Kleid ist keine Modeerscheinung, sondern bezieht sich auf das Hohelied 7,2 (Maria als heiliger Acker).
  • Ebenfalls zum ikonographischen Kanon und nicht zur zeitgenössischen Mode gehört die Verwendung von Mänteln in Heiligendarstellungen (=> Schutzmantel, um ihn über die Gläubigen "auszubreiten")
  • Der kurze Rock galt im Spätmittelalter als „schandhaftes“ Kleidungsstück, wie zahlreiche Traktate belegen. Dementsprechend wurde er als typische Kleidungsform für Soldaten und Folterknechte in den Passionsereignissen eingesetzt. Hierbei handelt es sich also um eine „Rollenbekleidung“ die sich durchgängig in allen Passionsszenen findet und keine historische Moderealität wiedergibt.
  • Die 7 törichten Jungfrauen werden oft betont modisch dargestellt (Matth. 25, 1 ff ). Die galt als Verkörperung der Unkeuschheit und Leichtfertigkeit. D.h., die Kleidung spiegelt zwar ggf. die aktuelle höfische Mode, nicht aber den Stand der Alltagsbekleidung wieder (s. Abb. re. Mitte, Darstellung der Wollust als Frau im modischen Gewand, Traktat gegen die sieben Todsünden, Genua, ca. 1330, Brit. Lib. Add. MS 27695, fol. 15v).
  • Auch die Farbzusammenstellung des Mi-parti hat eine durchgängige symbolische Bedeutung. Am Anfang (13. Jh.) war Mi-parti die kennzeichnende Bekleidung von Dienstboten und wird in der Malerei des 15. Jh. zur Tracht der Schergen, Henkersknechte und des Henkers schlechthin (vgl. Abb. re. unten, Hochaltarretabel Jacobi-Kirche Göttingen, 1402), farblich zunehmend von den Modefarben durch die Verwendung von Gelb und Grün abgegrenzt. Beide Farben finden sich in ihren blassen Ausprägungen auch als Zwangskleidungen sozialer Randgruppen.

Wie bewusst und wie wichtig den Zeitgenossen die Einhaltung des ikonographischen Kanon war, zeigt eine zeitgenössische Kritik aus der 1. Hälfte des 15. Jh., in der Verstöße gegen den Kanon aufgezeigt und die Maler gemahnt werden, sich an den Kanon und die Realität zu halten und „nicht zu viel Fantasie walten zu lassen“ und „nichts Unnötiges und Eitles“ zu malen.16

Fehmegericht, Soester Nequambuch, StASoest, 2. Drittel 15. Jh

Tractatus de vitiis septem, Genua ca. 1330, Brit. Lib. Add. MS 27695, fol. 15v

Hochaltarretabel Jacobi-Kirche Göttingen

Datierung von Modererscheinungen

Zahlreiche Veröffentlichungen bewegen sich in der Datierungsfrage in der „Grauzone“ kulturgeschichtlicher Literatur. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Autoren den Anspruch erheben, bestimmte Kleidungsstücke oder Modeerscheinungen mit genau festgelegten Jahresangaben bestimmen zu können. Wissenschaftlich abgesichert und zweifelsfrei belegbar sind diese Annahmen meist nicht.17 Bei der Datierung von Kleidung in Bildquellen werden oft folgende Faktoren nicht berücksichtigt:

  • Grundsatzproblem Symbolik und Rollenbekleidung: In Bildquellen dargestellte "topmodische" Bekleidung gibt i.d.R. nicht das wieder, was im Alltagsbekleidung getragen wurde sondern hat eine symbolische Bedeutung (s.o. Bsp. der "Wolllust").
  • Es gibt erhebliche Zeitverschiebungen durch unterschiedlich schnelle Aufnahme neuer Kleidungsformen in die Bildwerke.
  • Der Entstehungszeitpunkt einer Bildquelle kann i.d.R. nie Jahrgenau bestimmt werden, sondern erstreckt sich oft über mehrere Jahrzehnte.
  • Der Zeitpunkt des Entstehens eines Grabstein oder einer Skulptur muss nicht identisch mit dem Todeszeitpunkt sein.
  • Kleidung“ und „Mode“ sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Im Mittelalter ist „Mode“ - der zeitgenössische Ausdruck lautete Novität (12. Jh.) - der Oberschicht vorbehalten; alle anderen tragen „Kleidung“.18.
  • Ungerücksichtigt bleiben auch die langen „Laufzeiten“ von Kleidung; ein Bekleidungsstück, welches als „Mode“ eingeführt wurde, sank in einem oft Jahrzehnte dauernden Prozess sozial ab (siehe folgendes Beispiel). D.h., dargestellte „Mode“ entsprach also nie der Alltagsbekleidung, die in der Entstehungszeit eines Bildwerkes getragen wurde.

Ein Rock macht Karriere

Am Beispiel eines typischen Oberbekleidungsstückes des 15. Jh. - des Rockes mit Falten - lässt sich verdeutlichen, wie lange sich bestimmte Kleidungsstücke hielten, der "soziale Stand" ihrer Träger aber immer weiter absank. 1420 erscheint dieses Kleidungsstück zuerst in Darstellungen aus dem höfischen Lebensbereich (Abb. 1). Noch in den 1440er ist dieser Rocktypus am Hof des burgundischen Herzogs Philipp III. die verbreiteste Oberbekleidung des höfischen Adels (Abb. 2). Von 1457 stammt das Stifterportrait des aus dem Amtsadel stammenden Sekretärssohn und frz. Schatzmeisters Etienne Chevalier (Abb. 3). Seit den 1460er Jahren findet sich der Rock zunehmend im bürgerlichen Lebenumfeld; vor allem in Norddeutschland findet er große Verbreitung und wird von zahlreichen norddt. Malern als typisch bürgerliches Oberbekleidungsstück dargestellt (z.B. Bornemann-Altar in Lüneburg, Berndt Notkes Totentanz in Lübeck, vgl. Abb. 4). Um 1500 beginnt der soziale Abstieg diese Kleidungstückes: 1515 bildet Quentin Massys seinen Goldwäger in ihm ab (Abb. 5), 1539 und 1540 stellt Marinus van Reymerswaele einen Wucherer sowie zwei Zolleintreiber damit dar (Abb. 6). Endgültig als Kleidungsstück der Narren und Randständigen stigmatisiert wird der Rock 1547 in der Darstellung Will Somers, des Hofnarren Heinrichs VIII. v. England, als Verkörperung des ndl. Sprichwortes "Rosen (Perlen) vor die Säue werfen" bei Pieter Bruegel d. Ä. 1559 (Abb. 7) und in der Darstellung des Dudelsackspielers des Genremalers Pieter Huys von 1571 (Abb. 8). Nach gut 150 Jahren ist dieser Typus eines Rockes immer noch in Gebrauch und hat seit seiner Schöpfung als "topmodische" Oberbekleidung die ganze Palette der spätmittelalterlichen Sozialschichten durchlaufen.

Illustration Meister des Rosenromans, Szene Reigen vor dem Genius der Liebe
Höfische Szene, Burgund, Dedikationsminiatur Chroniques de Hainault, Rogier van der Weyden, 1448
Stifterportrait Etienne Chevaliers, 1457, Flämisch, Privatbesitz Bernd Notke, Luebecker Totentanz - Der Kaufmann.jpg
Quentin Massys, Der Goldwäger und seine Frau, 1515
Marinus van Reymerswaele, Zwei Zolleintreiber, 1540
Pieter Bruegel d. Ältere, Niederländische Sprichwörter, 1554
Pieter Huys, Der Dudelsackspieler, 1571
Abb. 1, 1420 Abb. 2, 1448 Abb. 3, 1450
Abb. 4, 1463
Abb. 5, 1515 Abb. 6, 1540 Abb. 7, 1554 Abb. 8, 1571

Bezeichnung von Kleidungsstücken

Bezüglich der Benennung bestimmter Kleidungsstücke herrscht in der Kostümliteratur eine babylonische Sprachverwirrung, die selbst Fachwissenschaftler straucheln lässt. So gibt es allein für das „Surkot“ zwölf unterschiedliche Definitionen.19  In der Regel existiert aber keine bildliche Zuordnung zu den, zumeist frz. Schriftquellen entnommenen Begriffen, so dass jede Beschreibung von benannten Kleidungsstücken Spekulation bleibt. Auch werden mittelalterliche Termini unkritisch verallgemeinernd verwendet, ungeachtet regionaler und zeitlicher Unterschiede.20  Vielfach sind auch moderne Kunstbegriffe in Gebrauch.21

Das alles macht die Rekonstruktion von Bekleidung nach Bildquellen zu einer Gradwanderung. D.h. für Living history, dass eine seriöse kostümhistorische Recherche nicht ohne die Kenntnis der ikonographischen Konventionen und Allgemeinplätze und der den Bildwerken eigenen Symbolik erfolgen kann. Kleidung ist ein materielles Artefakt, das man immer in Verbindung mit Textquellen untersuchen sollte.22  Wichtig ist es, sich der Schwächen und Problematik von Bildquellen für die Kostümkunde bewusst zu sein und bei der Recherche und Rekonstruktion nicht in einen wissenschaftlich unbegründbaren Dogmatismus zu verfallen.


___________________________
1 A. DE LA CROIX, L'érotisme au Moyen Âge: le corps, le désir et l'amour, Paris, 1999, passim.
2 G. JARITZ, Mittelalterliche Realienkunde und Fragen von Terminologie und Typologie, in: Terminologie und Typologie mittelalterlicher Sachgüter: Das Beispiel der Kleidung, in: Veröffentl. D. Inst. F. ma. Realienkunde Österreichs 10, Wien 1988, S. 8.
3 E. VAVRA, Kritische Bemerkungen zur Kostümliteratur, in: in: Terminologie und Typologie mittelalterlicher Sachgüter: Das Beispiel der Kleidung, in: Veröffentl. d. Inst. f. ma. Realienkunde Österreichs 10, Wien 1988, S. 23.
4 Leon Battista ALBERTI, Opere volgari, Hrsg. V. C. Grayson, III, Bari 1973.
5 A.M. REICHEL, Die Kleider der Passion. Für eine Ikonographie des Kostüms. Diss. Berlin 1998, S. 20.
6 VAVRA, S. 26 f.
7 DIES., S. 25 f.
8 M. BAXANDALL, Die Wirklichkeit der Bilder, Frankfurt 1987, S. 9.
9 M. SCOTT, Kleidung und Mode im Mittelalter, Darmstadt 2009, S. 8.
10 DIES., S. 7.
11 Erwähnt seien hier nur die beiden wichtigsten Werke, der Physiologus (2. Jh.) und die Legenda aurea des Jacobus de Voragine (13. Jh.).
12 St. Antonio, Summa Theologica, I. iii. 3; ALBERTI, Opere volgari.
13 BAXANDALL, S. 102.
14 Dazu ALBERTI, S. 22-24.
15 REICHEL, S. 21.
16 St. Antonio über die Fehler der Maler, Summa Theologica III, viii 4.
17 VAVRA, S. 23. Als abschreckendes Beispiel sei auf Paul POST, Die frz.-ndl. Männertracht einschließlich der Ritterrüstung im Zeitalter der Spätgotik 1350 bis 1474, Halle 1910 verwiesen.
18 SCOTT, S. 8.
19 VAVRA, S. 41 ff.
20 In den mittelniederdeutschen Quellen sind die Begriffe Cotte, Cotehardie, Schecke etc. überhaupt nicht nachweisbar. Allgemein wird in Testamenten, Inventaren etc. nur von Rock, resp. lat. Tunica gesprochen.
21 z.B. „Tasselmantel“.
22 SCOTT, S. 9.

© Rainer Kasties M.A.

 







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